Wenn das Aufräumen schwerer fällt, der Einkauf zur Herausforderung wird oder das Kochen nicht mehr so leicht von der Hand geht wie früher – dann ist eine Haushaltshilfe für Senioren oft der erste und wichtigste Schritt, damit ein älterer Mensch weiterhin selbstbestimmt zuhause leben kann. In der Schweiz gibt es dafür eine Vielzahl von Angeboten: von gemeinnützigen Organisationen über private Pflegedienste bis hin zu selbstständigen Betreuungspersonen.
Dieser Ratgeber erklärt, welche Aufgaben eine Haushaltshilfe übernimmt, was sie kostet, wie Sie die passende Person oder Organisation finden – und welche Finanzierungsmöglichkeiten es gibt.
Was ist eine Haushaltshilfe für Senioren?
Eine Haushaltshilfe für Senioren unterstützt ältere Menschen bei alltäglichen Aufgaben im und um das Haus – ohne die eigentliche Körperpflege oder medizinische Behandlungen zu übernehmen. Das ist der wesentliche Unterschied zur Spitex oder einem Pflegedienst: Die Haushaltshilfe kümmert sich um das Drumherum des Alltags, während die medizinische und pflegerische Versorgung von Fachpersonen geleistet wird.
Dieser Bereich heisst offiziell oft «Betreuung und Haushalt» und ist in vielen Kantonen ein eigenes Leistungsangebot – sowohl bei der öffentlichen Spitex als auch bei privaten Anbietern.
Welche Aufgaben übernimmt eine Haushaltshilfe?
Das Leistungsspektrum variiert je nach Anbieter, lässt sich aber in drei Bereiche einteilen:
Reinigung und Ordnung
- Wohnungsreinigung (Staubsaugen, Wischen, Badezimmer und Küche reinigen)
- Wäsche waschen, trocknen, falten und verräumen
- Betten beziehen und Kleider ordnen
- Müll entsorgen
Einkauf und Verpflegung
- Einkaufen nach Einkaufsliste oder gemeinsam mit dem Senioren
- Einfache Mahlzeiten zubereiten oder beim Kochen assistieren
- Bestellungen aufgeben (Apotheke, Online-Lieferungen)
- Kühlschrank kontrollieren und Ablaufdaten prüfen
Alltagsbegleitung und Administration
- Begleitung zu Arztbesuchen, Behördengängen oder Ausflügen
- Unterstützung bei Post, Formularen und einfacher Korrespondenz
- Gesellschaft leisten und Gespräche führen
- Pflanzen giessen, Haustiere versorgen
Nicht dazu gehören in der Regel: Körperpflege, Wundversorgung, Medikamentenvergabe oder andere pflegerische Massnahmen – diese fallen in den Bereich der privaten Pflegedienste in der Schweiz oder Spitex und erfordern ausgebildetes Fachpersonal.

Wann ist eine Haushaltshilfe sinnvoll?
Eine Haushaltshilfe ist besonders geeignet, wenn:
- der ältere Mensch körperlich eingeschränkt ist (Gleichgewichtsprobleme, eingeschränkte Mobilität, Schmerzen), aber geistig fit bleibt
- die Familie zwar Unterstützung leisten möchte, aber räumlich oder zeitlich nicht in der Lage ist, täglich vorbeizukommen
- es nach einem Spitalaufenthalt eine Übergangsphase braucht, bis der Alltag wieder selbstständig bewältigt werden kann
- eine Demenzerkrankung noch in einem frühen Stadium ist und die betroffene Person noch weitgehend selbstständig lebt
- die Einsamkeit zunimmt und regelmässiger sozialer Kontakt fehlt
Die Haushaltshilfe ist oft der erste Baustein eines individuellen Pflegearrangements – und ermöglicht es, einen Umzug ins Altersheim oder Pflegeheim hinauszuzögern oder ganz zu vermeiden.
Was kostet eine Haushaltshilfe für Senioren in der Schweiz?
Die Kosten hängen vom Anbieter, der Region und dem Stundenumfang ab. Als Orientierung gelten folgende Richtwerte:
Öffentliche Spitex (Haushaltshilfe)
Die öffentliche Spitex bietet in vielen Gemeinden Haushaltshilfe zu subventionierten Tarifen an. Je nach Einkommen und Kanton zahlen Betroffene zwischen CHF 5 und CHF 40 pro Stunde – einkommensschwächere Haushalte werden stärker unterstützt.
Private Anbieter
Bei privaten Pflegediensten und Betreuungsorganisationen liegen die Stundenansätze in der Regel zwischen CHF 35 und CHF 65. Je nach Qualifikation der Mitarbeitenden, dem Anbieter und dem Kanton kann der Preis abweichen.
Selbstständige Betreuungspersonen
Wer eine selbstständige Haushaltshilfe engagiert, zahlt oft CHF 25 bis CHF 45 pro Stunde. Wichtig: Dabei entstehen arbeitgeberseitige Pflichten (AHV-Abzüge, Unfallversicherung), die organisiert werden müssen.
Pro Senectute
Pro Senectute bietet in vielen Kantonen Haushaltshilfe zu sozial gestaffelten Tarifen an. Die Organisation ist eine der wichtigsten Anlaufstellen für ältere Menschen in der Schweiz und arbeitet in fast allen Regionen.
Wer bezahlt die Haushaltshilfe? Finanzierungsmöglichkeiten
Ergänzungsleistungen (EL)
Wer Ergänzungsleistungen zur AHV oder IV bezieht, kann unter Umständen auch die Kosten einer Haushaltshilfe über die EL abrechnen – sofern diese als «anerkannte Ausgaben» gelten. Die genauen Voraussetzungen regelt der Kanton. Informationen dazu finden Sie beim Bundesamt für Sozialversicherungen.
Krankenkasse (Grundversicherung)
Die Grundversicherung übernimmt keine reinen Haushaltshilfe-Leistungen. Medizinisch notwendige Spitex-Leistungen (Körperpflege, Wundversorgung, Injektionen) sind hingegen kassenpflichtig – aber das fällt nicht unter Haushaltshilfe.
Hilflosenentschädigung (HE)
Wer aufgrund einer Behinderung oder Krankheit auf dauernde Hilfe Dritter angewiesen ist, kann eine Hilflosenentschädigung der AHV oder IV beantragen. Dieses Geld kann frei eingesetzt werden – also auch für eine Haushaltshilfe.
Selbstfinanzierung
Der häufigste Fall: Die Kosten werden privat getragen, entweder aus dem eigenen Einkommen oder aus dem Vermögen. Angehörige teilen sich in manchen Familien die Kosten unter mehreren Geschwistern auf.
Wo finden Sie eine Haushaltshilfe für Senioren in der Schweiz?
Es gibt verschiedene Wege:
Öffentliche Spitex Ihrer Gemeinde
Der erste Anruf gilt der Gemeindeverwaltung oder der öffentlichen Spitex. Fast jede Gemeinde verfügt über ein solches Angebot oder kennt die zuständige Organisation. Auf pflegenetz24.ch/spitex finden Sie Spitex-Organisationen in Ihrer Region.
Gemeinnützige Organisationen
Pro Senectute, Caritas, das Schweizerische Rote Kreuz und kirchliche Organisationen sind oft günstiger als private Anbieter und bieten gleichzeitig soziale Begleitung an.
Private Pflegedienste und Betreuungsorganisationen
Private Anbieter haben häufig eine höhere Flexibilität – mehr Stunden, spontanere Einsätze, mehrsprachiges Personal. Auf pflegenetz24.ch können Sie Anbieter in Ihrer Region direkt vergleichen.
Betreuungsvermittlungsplattformen
Es gibt Plattformen, die selbstständige Betreuungspersonen vermitteln. Prüfen Sie dabei immer Referenzen, Versicherungsschutz und Arbeitgeberpflichten sorgfältig.
Qualität erkennen – worauf Sie achten sollten
Nicht jede Haushaltshilfe ist gleich. Achten Sie bei der Auswahl auf folgende Punkte:
Klare Leistungsvereinbarung: Was genau wird zu welchem Preis geleistet? Schriftliche Vereinbarungen schützen beide Seiten.
Verlässlichkeit und Kontinuität: Gerade ältere Menschen mit Demenz brauchen vertraute Gesichter. Häufig wechselnde Mitarbeitende können Verwirrung auslösen.
Sprachkenntnisse: Je nach Region und Herkunft Ihrer Angehörigen kann Deutsch, Französisch, Italienisch oder eine andere Sprache wichtig sein.
Hintergrundprüfung: Seriöse Anbieter prüfen ihre Mitarbeitenden und verlangen einen Strafregisterauszug.
Referenzen: Fragen Sie nach Erfahrungen anderer Kunden – oder suchen Sie Anbieter mit verifizierten Bewertungen.
Haushaltshilfe und Pflege kombinieren
Häufig reicht eine Haushaltshilfe allein nicht aus. Viele Seniorinnen und Senioren benötigen zusätzlich medizinische oder pflegerische Unterstützung. Gängige Kombinationen sind:
- Haushaltshilfe + Spitex: Die Spitex übernimmt Körperpflege und medizinische Massnahmen, die Haushaltshilfe den Rest.
- Haushaltshilfe + Tagesstruktur: Tageszentren für Senioren bieten tagsüber Betreuung und Mahlzeiten – die Haushaltshilfe kommt ein- bis zweimal pro Woche.
- Haushaltshilfe als Vorstufe zur 24h-Betreuung: Wenn der Bedarf wächst, kann die stundenweise Hilfe schrittweise zu einer umfassenderen Betreuung ausgebaut werden.
Mehr zu umfassenderen Betreuungsmodellen lesen Sie in unserem Ratgeber: Pflegehilfe Schweiz, alle Angebote im Überblick.
Zusammenfassung
Eine Haushaltshilfe für Senioren ist kein Luxus – sie ist oft die Voraussetzung dafür, dass ältere Menschen so lange wie möglich selbstbestimmt und würdevoll in den eigenen vier Wänden leben können. Das Angebot in der Schweiz ist vielfältig: von subventionierten Gemeindeangeboten bis zu flexiblen privaten Diensten. Der Schlüssel liegt darin, die richtige Lösung für die individuelle Situation zu finden – in Absprache mit dem Senioren selbst, den Angehörigen und wenn nötig dem Hausarzt.